Durch Schnee, Eis und Kälte

Auf dem Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran – Alpenüberquerung des P-Seminars Q12 (Herr Vogel, Herr Karrer)

Nach einer langen Planungs- und Vorbereitungsphase, die wir gemeinsam gemeistert haben, ging nun endlich unsere lang ersehnte 7-tägige Alpenüberquerung los.

Am Morgen des ersten Tages brachen wir, vierzehn Schüler und zwei Lehrkräfte, von Otting mit dem Zug nach Oberstdorf auf. Nach einer ca. dreistündigen Zugfahrt erreichten wir das sonnige Oberstdorf. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten und sämtlichen Gruppenfotos machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Zwischenziel, nach Spielmannsau. Nach einer kurzen Mittagspause zur Stärkung begann nun der eigentliche Aufstieg zu unserem ersten Etappenziel, Kemptner Hütte. Unterwegs begegneten uns die ersten Schneefelder. Hinauf zur Kemptner Hütte führte uns ein fünfstündiger Aufstieg, der uns über Brücken, an Wasserfällen vorbei und an schwierigen Stellen mit Drahtseilen vorbeileitete. Auf 1844 Meter ü. NN. konnten wir unsere erste Unterkunft der Woche beziehen. Beim gemütlichen Beisammensitzen ließen wir zusammen den ersten Tag unserer einwöchigen Wanderung ausklingen.

Am zweiten Tag war die Memminger Hütte unser Ziel. Früh und gut gelaunt liefen wir los. Zunächst begleitete uns ein leichter Schauer. Als wir den ersten Aufstieg geschafft hatten, überquerten wir die Grenze nach Österreich und begannen den Abstieg ins Tal. Auf dem Weg ins Tal überquerten wir eine lange Hängebrücke, deren Ende in einer Nebelbank verschwand. Im Tal angekommen liefen wir rund eine Stunde von Holzgau nach Bach, dort nahmen wir einen Bus, um einen langweiligen Streckenabschnitt zu überbrücken. Ab da waren wir jedoch eine Person weniger, weil uns ein Team-Mitglied wegen Rückenproblemen verlassen musste. Nach der Busfahrt ging es aber auch schon weiter. Zweieinhalbstunden hatten wir noch vor uns. Begleitet von herrlichem Sonnenschein überquerten wir Schneefelder und kamen überglücklich an der Memminger Hütte an. Nach dem Abendessen gingen noch drei Schüler gemeinsam mit den beiden Lehrern auf den Gipfel des Seekogels. Der restliche Teil der Gruppe ließ den Abend gemütlich auf der Hütte ausklingen.

Der dritte Tag unserer Wanderung führte uns von der Memminger Hütte zur Larcher Alm. Der erste Wegabschnitt war ein Aufstieg über Geröll hinauf zur Seescharte (2599m), der aber mit einer zuverlässigen Seilsicherung gut zu bewältigen war. Über zwei Almen, die Ober-und Unterjochalm, gelangten wir nach Zams. Von Zams aus machten wir uns den Aufstieg leicht und nahmen die Seilbahn. Oben angekommen, lud die Venet Gipfelhütte zu einem verspäteten Mittagessen ein. Daraufhin wählten wir den Panoramaweg entlang des Südhangs des Venetberges zur Larcher Alm (1814m).

Am Donnerstag, dem vierten Tag unserer Reise, stiegen wir als Erstes nach Wenns ab. Mit dem Bus fuhren wir durch das Pitztal und gelangten so schließlich nach einer sehr kurvigen Fahrt nach Mandarfen. Dort angekommen, konnten wir bei unserem Aufstieg eine atemberaubende Sicht genießen. Zuerst liefen wir an einem Wasserfall vorbei, weiter oben hatten wir dann einen traumhaften Ausblick auf den Mittelbergferner. Das letzte Stück war noch einmal sehr anstrengend und wir mussten beißen, bevor wir gemütlich bei Kaiserschmarrn und heißer Schokolade auf der Braunschweiger Hütte zusammensitzen konnten.

Am fünften Tag unserer Alpenüberquerung hatten wir mit acht + x Stunden einen langen Tag vor uns, jedoch war der Weg sehr abwechslungsreich und spannend. Am Morgen stiegen wir hinauf zum Rettenbachjoch. Der Anstieg wurde immer steiler und enthielt teilweise kleine Kletterpassagen, die mit Drahtseilen abgesichert waren. Als wir den Kamm erreicht hatten, konnten wir bei strahlendem Sonnenschein zum ersten Mal die 3000-Meter-Marke überschreiten. Darauf folgte ein Abstieg, der durch Schneefelder und das Söldener Skigebiet führte. Der Zustand des Skigebiets im Sommer und der enorme Eingriff in die Natur stimmten viele Teilnehmer nachdenklich. Unten angekommen ging es mit einer kurzen Busfahrt durch einen Tunnel auf die andere Seite zum Tiefenbachferner. Von dort aus folgten wir dem Panoramaweg etwa vier Stunden lang, unterbrochen nur von einer Badepause im 6°C frischen Bergsee,  bis Vent. Dort gab es Gelegenheit für eine ausgiebige Pause mit leckeren Eisbechern und Palatschinken. Gestärkt zum Endspurt und voller Vorfreude auf die Martin-Busch-Hütte brachen wir zum Aufstieg auf. Nachdem wir diese nach zwei bis drei Stunden erreichten, mussten wir enttäuscht feststellen, dass bei der Buchung wohl ein Missverständnis vorlag. So konnten nur vier Schüler dort übernachten und der Rest der Gruppe musste wieder nach Vent absteigen, um dort zu nächtigen.

Nach dem anstrengenden Vortag stiegen wir wieder im Morgengrauen zur Martin-Busch-Hütte auf. Nach ca. zwei Stunden erreichten wir die Hütte und packten, während einer kurzen Pause, unsere Rucksäcke für den Aufstieg auf den höchsten Punkt unserer Tour um. Nach weiteren zwei Stunden Fußmarsch über einen ehemaligen Gletscher, vorbei an abgeschliffenen Felsen und durch nassen, kalten Nebel, erreichten wir die zweite Hütte an diesem Tag. In der Similaun-Hütte (3020m) konnten wir eine kleine Mahlzeit zu uns nehmen. Frisch gestärkt für den Abstieg ging es wieder hinaus zu Schnee, Eis und Kälte. Während den ersten 20 Minuten des Abstieges konnte sich das Wetter nicht entscheiden, ob es regnen oder schneien sollte. Letztendlich liefen wir im Nebel und man konnte unsere bunten Regenabdeckungen im weißen Dunst verfolgen. Als wir endlich den Nebel hinter uns ließen, konnten wir einen ersten Blick auf den azur-blauen Vernagt-Stausee werfen. Dank des historischen Wissens von Herrn Karrer, besichtigten wir ein uraltes Bauwerk. Die „Schnecke“ oder auch das „Labyrinth“, wie es von den einheimischen genannt wird, ist ein kleines prähistorisches Steinhaus. Neben dem Bauwerk konnten wir neugierige Murmeltiere erblicken. Nach weiteren eineinhalbstunden Abstieg erreichten wir den Vernagt-Stausee, wo wir in einem kleinen Cafe Käse- und Apfelkuchen aßen. Darauf stiegen wir in den Bus und fuhren in unser Hotel in Kurzras. Das hoteleigene Hallenbad war ein krönender Abschluss des Tages und der wunderschöne vorletzte Tag ging vorüber.

Unsere letzte Etappe von Kurzras im Schnalstal nach Meran mussten wir leider aufgrund des schlechten Wetters teilweise mit dem Bus zurücklegen. Auch den Weg zum Schloss Juval (Sommerwohnsitz des Extrembergsteigers Reinhold Messner) konnten wir wegen Steinschlaggefahr nicht begehen und mussten deswegen auf ein Taxi umsteigen, das uns hinauf zum Schloss brachte. Nach einer interessanten Führung im Schloss stiegen wir noch einmal gut 40 Minuten durch Obstbaumplantagen ins Tal hinab, bevor wir mit der Bahn nach Meran fuhren.

Nach sechs wunderschönen, aber auch kräftezehrenden Wandertagen waren wir endlich am Ziel: MERAN. Ein gemeinsames Abendessen und ein gemütlicher Abschlussabend rundeten die Woche ab und luden dazu ein, alles Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen. Der Bus brachte uns am nächsten Morgen komfortabel nach München und der Zuf weiter nach Otting, wo sich nun der Kreis unserer Alpenüberquerung Schloss.