„Faìlte in Scotland!“

Donnerstagmorgen, 19.07.2018, 3.45 Uhr war es soweit: Der Bus verließ samt schlafender – oder zumindest sehr müder – Mitfahrer den Parkplatz des A-E-G. Doch energielos waren wir 34 Schüler trotzdem nicht! Spätestens am Spielplatz, der ersten Raststätte, wurde klar, dass die meisten von uns wohl noch lange nicht erwachsen sind. Mit diesen knappen zwei Stunden Schlaf gaben sich viele dann auch zufrieden und die Zeit bis zur Fähre von Amsterdam nach Newcastle ging schnell vorbei.

Auch wenn die Kabinen wie üblich eher klein ausfielen, bot das Schiff doch ausreichend Platz, um sich anderweitig zu beschäftigen. Ein Besuch im Kino oder doch lieber den Sonnenuntergang anschauen? Egal was man machte, man konnte sich am Ende des Tages glücklich ins Bett legen und hatte bereits den größten Teil der Fahrt geschafft. Also wieder ab in den Bus. Und da ist dann eine Kleinigkeit aufgefallen: Jemand hatte seinen Laptop beim Auschecken am Fährterminal in Newcastle vergessen. Weiterfahren mussten wir trotzdem. Stellt sich also die Frage: Hat der Laptop wieder zu seinem Besitzer gefunden? Wir werden es wohl erst am Ende unserer Fahrt erfahren.

Was wäre England ohne Regen? Richtig: England mit schönerem Wetter. Vollkommen durchnässt sind wir von der kleinen Besichtigung des Hadrianswalls bei Housesteads zum Bus zurückgekehrt und waren alle froh, dass wir vorher noch etwas Essen kaufen konnten. Trotzdem: Ein Besuch an „The Wall“, auf den Spuren der Römer war das wert!

Und dann endlich! Die Grenze zu Schottland! Das Land grüßte uns mit „Faìlte“. Nach der Verlobung in Gretna Green wurden in Glasgow, der größten Stadt Schottlands, überall Brautkleidergeschäfte entdeckt – und natürlich auch ein bisschen etwas über die Geschichte und Architektur der Stadt, die seit den 1990er Jahren wieder einen gewissen Aufschwung erlebt.

Am nächsten Morgen brachen wir dann zu einem absoluten Highlight auf: Es ging in die Highlands! Besonders das Glen Coe, das „Tal der Tränen“, zog die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Das Tal („Glen“) ist eingerahmt in unglaubliche Berge („Ben“). Immer wieder ist ein See („Loch“) zu betrachten. Die Wälder auf den Bergen nördlich des Loch Lomond  sind sattgrün und die Wiesen vor Schafen weiß gepunktet. Ein Bild sagt wirklich mehr als 1000 Worte, doch auch 1000 Bilder könnten die Highlands niemals so beschreiben, wie sie wirklich sind.

Kein Wunder also, dass wir auch die Kultur des Landes sehr gerne kennengelernt haben. Nachdem ein paar wenige Worte Gälisch den Weg in unser Gedächtnis gefunden hatten, wandten wir uns dann wenigstens teils wieder der Landschaft zu: Das berühmte Loch Ness! Nessie haben wir leider nicht entdeckt, dafür aber das Urquhart Castle und dessen Geschichte. Nach diesem Tag war es kein Wunder, dass die Stadt Inverness keine zu große Begeisterung auslöste. Magen füllen, schlafen und ab nach Edinburgh – dem letzten großen Herzstück der Reise.

Auf dem Weg gab es wieder einige neue Dinge zu lernen: Wir besichtigten die schottische „Blair Athol Distillery“. Anna und Agatha waren tolle „tour guides“, von denen wir viel Neues erfuhren. Jede kleinste Veränderung gibt dem Whisky einen ganz anderen Charakter. Selbst der Fluss, aus dem das Wasser stammt, die Form der Brennblasen oder die Wahl der Fässer, haben großen Einfluss. Interessiert waren alle, nur probieren oder gar kaufen durften wir den schottischen Whisky nicht. Noch nicht. Der ein oder andere konnte seinen Eltern später nämlich doch noch eine kleine Flasche mitbringen.

Für eine gute Mischung aus Kultur und Landschaft musste jetzt noch ein grandioser, gar königlicher Ausblick herhalten. Dafür war „Queen´s View“ geradezu perfekt geeignet. Auf den Spuren Königin Victorias erlebten wir, warum selbst die Engländer seit dem 19. Jahrhundert zumindest von der schottischen Landschaft fasziniert sind.

Jetzt aber auf nach Edinburgh. Schon der erste Blick, besonders auf die „Old Town“, genügte, um sich sofort in die Stadt, das „Athen des Nordens“  zu verlieben. Ein charmanter alter Baustil, ein Castle, die Royal Mile und viel zu viel zum Besichtigen. Gar nicht schlecht also, dass wir am folgenden Morgen eine Stadtrundfahrt veranstalteten. Suzi, eine Schottin mit deutschen Wurzeln, hatte uns allerlei Interessantes zu erzählen. Die Museen sind fast alle kostenfrei, davon eines (das „National Museum of Scotland“ –  sehr empfehlenswert), in dem Dolly, das erste geklonte Schaf, ausgestellt ist. Und man glaubt es kaum: Die Queen haben wir nur knapp verpasst. Eine Woche zuvor war sie noch zu Besuch. Dann war aber erstmal wieder jede Menge Freizeit angesagt; wobei bei der Menge an Sehenswertem doch mehrere Leute zum schottischen Parlament sprinten mussten, um noch pünktlich zu sein. Sicherheitskontrolle und dann eine Führung durch das Parlament, die doch tatsächlich interessanter war als erwartet. Das sehr gute und freie WLAN war den meisten bis dahin auch schon aufgefallen – falls nicht, wurde man darauf hingewiesen.

Zu guter Letzt stand noch das traditionelle schottische Nationalgericht auf dem Plan: Haggis. Noch bevor es uns serviert wurde, stand draußen ein Mülleimer in Flammen und wir bekamen die schottische Feuerwehr zu Gesicht. Das Haggis wurde aufgegessen, schmeckte gar nicht so schlecht, wie vermutet worden war – ganz im Gegenteil. Die Zutaten sollte man allerdings trotzdem eher im Nachhinein googlen.

Bis auf ein paar Stopps auf der Heimfahrt durch die landschaftlich reizvolle nordenglische Grafschaft Northumberland (z.B. Bamburgh Castle – bekannt aus dem Englischbuch!)  war es das auch schon. Vor der Fähre in Newcastle kam uns ein Laptop entgegen, auf der Fähre ein witziger Abend. Insgesamt eine mehr als gelungene Fahrt. In Deutschland angekommen, bekam man dann fast ein wenig Heimweh – nach dem wunderschönen, aber fernen Schottland.

Lea Oberhauser, Schottland-Veteranin aus Q11