Der tiefste Ton und das höchste goldene Kreuz Sachsens

Diese beiden Gegensätze erlebten die SchülerInnen in der Dresdner Frauenkirche, einem besonderen Symbol der deutschen Einheit!
Unsere Fahrt nach Dresden hatte alle Facetten eines mediterran – kontinentalen Wintertages zu bieten: Bei recht bedecktem Himmel verließen wir Oettingen, strahlende Sonne und schneebedeckte  Landschaft erwartete uns dann im Fichtelgebirge (Ski und Rodel gut!), bis wir bei diffusem, weichem Sonnenlicht am frühen Nachmittag in Dresden ankamen. Glücklicherweise hatte Petrus ein Einsehen mit uns und hielt sich mit dichtem Schneetreiben ganztägig zurück.

Der erste Eindruck von Dresden für unsere SchülerInnen war eine tipp-topp gepflegte Innenstadt, in der alles neu ist, aber nicht selten steht hinter der ersten Begegnung die Erkenntnis über die tragischen Tage Dresdens während der Bombardierungen durch die Alliierten, unter der die sächsische Landeshauptstadt besonders zu leiden hatte. Rings um die Ruine der Dresdner Frauenkirche war bis 1989 im Wesentlichen nur grüne Wiese anzutreffen. Nun aber werden die letzten Baulücken mit historisch korrekten Neubauten geschlossen und nur wenige offengelegte Keller aus den Bombennächten sind noch zu sehen, wenn sie nicht ohnehin hinter Bauzäunen versteckt sind.

Unser erster Anlaufpunkt, die Dresdner Frauenkirche verkörpert als Sakralbau symbolisch die Wiedervereinigung Deutschlands. 1726 bis 1743 von George Bähr erbaut, stürzte sie nach den verheerenden Luftangriffen am 14. Februar 1945 in sich zusammen. 1994 begann der von Prof. Ludwig Güttler initiierte Wiederaufbau, der 2004 abgeschlossen werden konnte. Mehr als 180 Millionen Euro kostete die Wiederherstellung des Gotteshauses, wobei der weit überwiegende Teil davon als Spenden aus aller Welt kam, darunter auch aus den USA und Großbritannien. Was wie  Flecken aussieht sind Steine aus dem Ruinenmaterial, die wieder eingebaut werden konnten und somit das Alte mit dem Neuen verknüpfen.

Wie Frieden wachsen kann, erfuhren unsere SchülerInnen durch die Geschichte des höchsten goldenen Kreuzes in Sachsen. Das alte Kirchenkreuz auf der steinernen Kuppel stürzte in der Bombennacht in die Tiefe und wurde erst wieder beim Abtragen der Trümmermassen entdeckt und ist heute als Mahnmal in der Kirche zu besichtigen. Die Kinder und Enkel britischer Bomberpiloten schließlich beteiligten sich an dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, indem sie ein neues vergoldetes Kreuz anfertigen ließen und dies feierlich den Bürgern Dresdens übergaben!
Weitere Stationen der Stadtführung waren die Brühlsche Terrasse mit der herrlichen Aussicht auf den Elbbogen, die weltberühmte Semperoper als Opernhaus der Sächsischen Staatsoper Dresden und schließlich der Zwinger mit seiner Vielzahl an Pavillons. In der einbrechenden Dämmerung schon festlich beleuchtet treten besonders der Porzellan- und der Glockenpavillon in den Vordergrund. Im Porzellanpavillon sind außerordentlich schöne Stücke des Meißner Porzellans ausgestellt. Im Glockenpavillon werden die Töne sogar auf Glocken aus Hartporzellan angeschlagen – August der Starke als sächsischer Landesfürst versuchte mit seiner barocken Prachtentfaltung alles, um sich selbst als Kaiser zu empfehlen.
Pünktlich um 15:45 Uhr trafen wir uns alle wieder vor der Frauenkirche zum Besuch des Gesprächskonzerts mit dem Thema  „Weihnachtsoratorium für junge Leute“ gespielt von Ludwig Güttler und seinem Ensemble. Und hier schließlich trafen wir nun auch auf den tiefsten Ton, den ein Instrument aussenden kann: Das Fagott hat Johann Sebastian Bach ganz bewusst in einen Choral eingebunden, um der Erniedrigung des Menschen gegenüber Christus besonderen Ausdruck zu verleihen – nur ein Beispiel für die Raffinesse, mit der er biblische Texte und Musik ausdrucksstark miteinander verband.
Im Anschluss nutzten noch einmal alle SchülerInnen die Gelegenheit für einen einstündigen Besuch des Historischen Grünen Gewölbes, der weltberühmten Sammlung von Kunstschätzen vor allem aus der Zeit August des Starken. Hier ist wegen der wertvollen Stücke alles streng geregelt: Einlass nur zur gebuchten Zeit; keine Photographien erlaubt; Taschen, Rucksäcke, Jacken etc. dürfen nicht mitgenommen werden und Einlass nur per gescannter Eintrittskarte durch eine Luftschleuse. In 9 Räumen werden ausgesuchte Kunstschätze präsentiert – allesamt kommentiert per Audio-Guide  – natürlich in sächsischer Mundart!
Die SchülerInnen hatten nun noch ca. 2 Stunden Zeit, auf eigene Faust in Kleingruppen Dresden zu erkunden. Unter allen Weihnachtsmärkten ragt der Striezelmarkt mit seinem vielfältigen Angebot  (erzgebirgisches Kunsthandwerk und Dresdner Weihnachtsstollen) besonders hervor. Gegen 20:45 Uhr trafen wir uns nach vielen Stunden intensiven Erlebens und mit nachhaltigen Eindrücken zur Rückfahrt nach Oettingen.

Herbert Neuhaus u. Christina Niegisch